Sexualbegleiter: Ein erfülltes Sexleben für Behinderte auf Staatskosten?

Sexualbegleiter: Ein erfülltes Sexleben für Behinderte auf Staatskosten?Der Begriff „Sexualbegleiter“ ging in den letzten Tagen wie ein Lauffeuer durch die Medienlandschaft. Die Rede ist dabei von Menschen, die pflegebedürftigen Personen dabei helfen, ihre Sexualität auszuleben. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Personen geistig oder körperlich behindert sind. Alle sollen auf ihre Kosten kommen.

Die Politikerin Elisabeth Scharfenberg, die der Partei „Die Grünen“ angehört, hat nun gefordert, dass der Staat die Kosten für diese Sexualbegleiter übernehmen solle. Sie geriet für ihren Vorschlag von vielen Seiten scharf in die Kritik. Insbesondere deshalb, weil unsere Krankenkassen ohnehin bereits aus den letzten Löchern pfeifen.

Grundsätzlich stellt sich dabei die Frage, ob behinderte Menschen grundsätzlich ein Recht auf ein erfülltes Sexualleben haben. Doch muss der Staat diese Kosten wirklich übernehmen? Wie unterscheiden sich Sexualbegleiter von klassischen Prostituierten? Wie sieht die Situation diesbezüglich in anderen Ländern aus? 

Was sind die Aufgaben von Sexualbegleitern?

Das Aufgabenfeld von Sexualbegleitern ist klar formuliert: Sie sollen körperlich und geistig behinderten Menschen dabei helfen, ein befriedigendes Sexualleben zu erlangen. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie dafür lediglich Kondome kaufen, den Behinderten bei der Selbstbefriedigung helfen, sie an Prostituierte vermitteln oder sogar selbst sexuell aktiv werden.

Unterschieden werden dabei Sexualassistenten und Sexualbegleiter. Der Sexualassistent ist lediglich für die mechanische Ausführung der sexuellen Befriedigung zuständig. Der Assistent hilft also beispielsweise Männern bei der Masturbation. Der Sexualbegleiter geht hingegen eine emotionale Bindung mit dem Patienten ein und sorgt zusätzlich für die sexuelle Befriedigung.

Wie wird man Sexualbegleiter?

Der Titel „Sexualbegleiter“ ist in Deutschland nicht rechtlich geschützt – ähnlich wie es beim Ernährungsberater der Fall ist. Sprich: Jeder kann sich als Sexualbegleiter ausgeben, den Titel auf seine Visitenkarte schreiben und aktiv werden – solange die Einnahmen beim Finanzamt gemeldet werden.

Das ISBB, das Institut zur Selbstbestimmung Behinderter, setzt sich allerdings bereits seit mehr als 20 Jahren dafür ein, dass eine richtige Ausbildung dafür notwendig werden soll, um Sexualbegleiter zu werden. Doch auch jetzt schon bietet das Institut einen speziellen Kurs an und stellt ein entsprechendes Zertifikat aus. Der Kurs erfolgt dabei an sieben aufeinanderfolgenden Wochenenden, dauert also insgesamt 14 Tage.

Das Angebot wurde laut eigener Aussage bisher von circa 70 – überwiegend weiblichen – Sexualbegleitern wahrgenommen.

Da sich auch einige Prostituierte auf den Job als Sexualbegleiter spezialisiert haben, dies jedoch an keiner Stelle zentral verzeichnet werden muss, kann man nicht genau sagen, wie viele Sexualbegleiter es in Deutschland zur Zeit tatsächlich gibt.

Wo liegt der Unterschied zwischen Sexualbegleitern und Prostituierten?

Grundsätzlich gibt es keine offiziellen Unterscheidungsmerkmale. Jedoch werden Prostituierte in den meisten Fällen lediglich für einmalige, sexuelle Handlungen bezahlt. Sexualbegleiter verbringen hingegen eher Zeit mit den Behinderten – mit Option auf sexuelle Aktivitäten. Sexualbegleiter bauen gezielt eine emotionale Bindung zu ihrem Patienten auf, um dessen Selbstbewusstsein zu stärken und bei der Persönlichkeitsentwicklung zu helfen. Sexualbegleiter arbeiten auf lange Sicht mit dem Patienten zusammen, Prostituierte jedoch meist nur einmal.

Natürlich bauen auch viele gesunde Männer eine emotionale Beziehung zu Prostituierten auf. Dies ist in den meisten Fällen jedoch eher eine Art „Unfall“ und normalerweise nicht gewollt.

Haben behinderte Menschen ein Recht auf Sexualität?

Ob es ein Grundrecht auf sexuelle Erfüllung gibt, wagen wir zu bezweifeln. Was jedoch Fakt ist, ist die Tatsache, dass man einem Menschen sexuelle Aktivitäten nicht verbieten darf. Im Grundgesetz stehen diesbezüglich zwei wichtige Artikel:

Artikel 2: „Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Artikel 3: „Niemand darf wegen seiner Behinderung benachteiligt werden.

Nichtsdestotrotz versuchen Familienangehörige und Pfleger häufig, behinderten Menschen den Zugang zu einem erfüllten Sexualleben zu entziehen. Der Hauptgrund für dieses Verhalten ist die Vermeidung von ungewollten Schwangerschaften. Insbesondere geistig behinderte Menschen gehen lediglich ihren Trieben nach, achten dabei allerdings nicht darauf, zu verhüten.

Muss der Staat dafür aufkommen?

Organisationen wie „Pro Familia“ und Parteien wie „Die Grünen“ stehen mit ihren Forderungen größtenteils alleine da. Zwar kann man behinderten Menschen ihre Sexualität nicht absprechen, jedoch müssen weder der Staat, noch die Krankenkassen dafür aufkommen.

Bei dieser Diskussion darf man außerdem nicht vergessen, dass es auch genug gesunde Menschen sind, die an ihrer Einsamkeit verzweifeln und dadurch häufig sogar Depressionen entwickeln. Eine Sonderbehandlung Behinderter wäre einfach nicht fair und gerechtfertigt.

In anderen Ländern, wie beispielsweise den Niederlanden, existieren hingegen tatsächlich Zuschüsse für Sexualdienstleistungen an Behinderten. Diese werden den Patienten allerdings nicht ohne einen langen, beschwerlichen und bürokratischen Weg gewährt.

Dieser Artikel basiert auf einem Beitrag von Spiegel Online.

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